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Drei Wünsche an die Bildungspolitik

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Der Jahreswechsel ist Anlass für Wünsche, meine drei an die Bildungspolitik sind:

1.       Konsequentere Förderung in allgemeinbildenden Schulen

2.       Bundeskompetenz für netzgestütztes Lernen

3.       Ein neues Bildungsministerium.

Der Wunschzettel ließe sich verlängern, für mehr fehlt hier der Platz.

 1. Konsequentere Förderung in allgemeinbildenden Schulen

Zum Jahreswechsel gab es eine Erfolgsmeldung: Jeder zweite Schulabgänger will studieren. Schon fürchten erste Skeptiker eine Akademikerschwemme. Ich fürchte einen Fachkräftemangel, einen qualitativen.

Keiner weiß, wie groß die Facharbeiterlücke wirklich ist, es gibt dafür unterschiedliche Szenarien. Und wenn man den Statistikern der OECD glaubt, haben wir immer noch zu wenig Akademiker. Eindeutig ist, zwischen Beidem gibt es einen Zusammenhang. Jede Erhöhung der Anzahl der Studierenden entzieht der betrieblichen Ausbildung Potenzial. Das ist deswegen bedenklich, weil als Folge der technischen Entwicklung die Anforderungen in vielen Ausbildungsberufen dramatisch steigen, z. B. vom Kfz-Mechaniker zum Kfz-Mechatroniker. Es geht also nicht nur um Zahlen, wie viele Ausbildungsplätze Schulabgängern zur Verfügung stehen, sondern auch um Bildungsvoraussetzungen, die diese Schulabgänger für eine betriebliche Ausbildung mitbringen. Wer jetzt davon spricht, es ginge darum, die Integrationsfähigkeit des dualen Systems zu testen, sollte mal einen Blick in Betriebe werfen, nicht nur in die Industrie, sondern auch ins Handwerk. Ich behaupte, die Anforderungen – vor allem ihre Komplexität - sind heute in vielen Berufen höher als in manchen Studiengängen.

Es geht nicht darum, die einen gegen die anderen auszuspielen. Die Antwort kann nur sein: wir brauchen mehr Bildung für alle, nicht nur weil sie ein Bürgerrecht, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist.

Mehr Bildung bedeutet mehr und konsequentere Förderung, eine durchgehende Förderkultur im gesamten Bildungswesen. Davon sind wir noch weit entfernt. Vorherrschend an Schulen ist immer noch eine Selektionspädagogik. Am deutlichsten wird dies an der Notengebung. Noten sollen sich an der Normalverteilung orientieren, dabei muss es notwendig immer Gewinner und Verlierer geben. Es geht nicht darum, die Leistungsmessung abzuschaffen, wer fördern will, muss Lernergebnisse kontrollieren. Das aber genau leisten Noten nicht. Die Alternative ist eine kriteriumsbasierte Leistungsmessung zusammen mit einer Strategie des zielerreichenden Lernens.

2. Bundeskompetenz für netzgestütztes Lernen

Ich habe die Hoffnung aufgegeben, in meinem Leben noch das Ende der Bildungs-Kleinstaaterei zu erleben. Es gibt aber Anzeichen, wenigstens das unsinnige Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern zu lockern. Vordringlich ist aus meiner Sicht eine Bundesfinanzierung für netzgestützte Qualifizierungsangebote, vor allem von Hochschulen. Das beste Argument dafür ist die Fernuni Hagen, sie wird aus Mitteln des Bundes finanziert.

Immer mehr Hochschulen ergänzen ihre Präsenzangebote durch Lernunterlagen und Videovorlesungen im Netz. Auch wenn mich vieles davon pädagogisch noch nicht überzeugt, die notwendige Bildungsexpansion wird zukünftig überwiegend im Netz stattfinden, und das endet nicht an Ländergrenzen, ganz im Gegenteil. Je mehr Teilnehmer aus der ganzen Republik solche Angebote wahrnehmen, desto höher ist die Bildungsrendite der dafür aufgewendeten Mittel. Besser wäre sogar eine europäische Finanzierung, das ist aber wahrscheinlich zu viel Utopie.

Gefragt sind hier nicht mehr nur einzelne Förderprogramme, die gibt es bereits, sondern eine strukturell gesicherte Dauerfinanzierung.

Netzgestützte Qualifizierungsangebote sind vor allem auch für die Weiterbildung relevant. Das Internet erlaubt ganz neue Formen von Theorie-Praxis-Kooperationen, die in meinen Visionen die Grundlage für lebenslanges Lernen bilden werden.

3. Ein neues Bildungsministerium

Seit Rüttgers (mehr Kinder statt Inder) als Minister die Forschung ins Bildungsministerium hereingeholt hat, gerät die berufliche Bildung ins Hintertreffen. Ständiger Beweis ist der Newsletter des Ministeriums, darin ist berufliche Bildung allenfalls noch eine Randerscheinung. Nach Insiderinformationen ist dies im Ministerium intern auch so.

Wenn jetzt, wie geplant, das Kooperationsverbot gelockert wird, und der Bund wieder mehr Kompetenzen erhält, ist dies ein guter Grund für ein eigenes Bildungsministerium.

Wenn man kein eigenes Ministerium will, weil man für die berufliche Bildung das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat, dann sollte die Zuständigkeit dafür wenigstens ins Arbeitsministerium verlagert werden, wo sie früher war. Die gemeinsamen Schnittmengen von beruflicher Bildung und Arbeitsmarktpolitik sind jedenfalls deutlich größer, als zur Forschung.

 

 

02.01.2016

© Johannes Koch

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